Windham Campbell Prize 2915

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ivan Vladislavíc

(C) Sophie Bassouls


Exploded View . Johannesburg, Hamburg: Osburg Verlag, 2016

 

Südafrika: Für viele ein Sehnsuchtsort von magischer Anziehungskraft. Doch seit dem Ende der Apartheid macht das Land eine schwierige Phase durch. Mauern, Stacheldraht und Zäune zerteilen Johannesburg, seine heimliche Hauptstadt. Soziale Differenzen und wild wuchernde Siedlungen sprengen die Metropole, festungsartige Wohnstätten am Freeway improvisieren eine halb fertige Welt. Zu ihrem schärfsten Analytiker und angesehensten Schriftsteller hat sich Ivan Vladislavicć entwickelt. Sein Roman Exploded View gliedert sich in vier lose miteinander verbundene Teile, deren Protagonisten eines gemeinsam haben: Alle vier versuchen ihren Platz im neuen Südafrika zu bestimmen, alle sind Sinnsucher in einem veränderten Koordinatensystem. Mit äußerster Präzision und bestechender Klarheit beschreibt Vladislavic die südafrikanische Lebenswirklichkeit. Seine große Vorliebe gilt dabei der Architektur, an der sich die gesellschaftlichen Umbrüche festmachen lassen. Vladislavicć ist ein Meister des zweiten Blicks, ein Virtuose im Zusammenfügen der Details, die uns den Mechanismus des Ganzen erklären. Entstanden ist ein Monumentalpanorama Südafrikas auf einem sprachlichen Niveau, das seinesgleichen sucht. Der Roman ist eine Tour de Force, die unter die Oberfläche dringt. In grandiosen Sätzen bringt der Autor die Stadt zum Oszillieren: ihre Verheißungen und Abgründe, ihre Tragik und ihren Witz.

 

"Zurzeit kann keiner von der Black Box Südafrika, der inneren Befindlichkeit einer Nation im Umbruch, so präzise, so fesselnd erzählen wie dieser Autor" (Heinz Gorr, BR2, 2016)

 

 

Double Negative, München.: A1 Verlag 2015, 2. Auflage 2017 für den "anderen literaturklub", Frankfurt

 

Neville Lister, der sein Studium abgebrochen hat, begleitet den berühmten Fotografen Saul Auerbach für einen Tag, um eine Lektion fürs Leben zu lernen. Sie spielen ein Spiel: auf einem Hügel über Johannesburg wählen sie sich drei Häuser aus und beschließen, auf der Suche nach einer Geschichte an ihre Türen zu klopfen, aber schon bald schwindet das Licht. Auerbachs Bilder der ersten beiden werden klassische Portraits.
Erst Jahre später kommt nur Lister zum dritten Haus, als er zurückkehrt in das Post-Apartheid-Südafrika. Johannesburg hat sich fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. Wie soll man leben, wenn man sich seinem Geburtsort entfremdet hat?

„Double Negative“ ist ein subtiles Triptychon, das das gewöhnliche Leben von Neville Lister während der außergewöhnlichen Revolution Südafrikas einfängt. Ivan Vladislavíc ist ein äußerst genauer Erzähler der Wirklichkeit, die ihn umgibt, und weiß diese jenseits von Effekthascherei und Manieriertheit differenziert und mit höchster sprachlicher Eleganz in poetische Bilder umzusetzen. Er legt Momente wie Fotografien auf einem Tisch nebeneinander.
Entstanden ist ein großartiger Roman, eine Charakterstudie, die die ersten Jahre der Post-Apartheid im Brennglas seiner Hauptfigur zusammenfasst und literarisch gültig verortet.

 

4. Platz, Litprom-Bestenliste Nr. 29/2015

Baern2-BuchFavorit, 2016

 

SHORTLIST FÜR DEN INTERNATIONALEN LITERATURPREIS 2016

 

"Der Autor ... beweist einen feinsinnigen Blick unter die Oberfläche seiner Figuren sowie hinter die Geschichte seines Landes. Mit hinreißender Metaphorik erfasst er narrative Feinheitn und spinnt sie zu einer Geschichte, die von sprachlicher Finesse getragen wird." (Markus Jäger, ekz, 2015)

 

"Ivan Vladislavic vermittelt das Unheimliche, das diesen Roman unterfüttert, einerseits in den Metaphern, die er verwendet. ... Zugleich setzt er die grundlegenden Fragen, die ihn umtreiben, anhand emblematischer Details wortwörtlich ins Bild: Von welchen Bildern ist unsere Wahrnehmung und damit unsere Geschichte überschattet, ergo gefiltert?" (Claudia Kramatschek, drkultur, 2015)

 

"Mit Hilfe seiner fotografierenden Hauptfigur gelingt es Ivan Vladislavic, drei Jahrzehnte südafrikanischer Geschichte am Schauplatz Johannesburg literarisch abzubilden: Inhaltlich vielschichtig, mit inspirierenden historischen Spiegelungen und großerTiefenschärfe." (Gaby Mayr, SWR 2, 2015)

 

"Was für ein Schatz; gepriesen sei der kleine Münchner A-1-Verlag dafür, "Double Negative" ins Deutsche übersetzt zu haben. ... Wie kann man nur derart elegant einen Roman schreiben, der zugleich ein dokumentarisches Panorama über 30 Jahre Südafrika ist, persönliche Hommage an den großen Fotografen David Goldblatt, und ein Text über den fragilen Wert von Erinnerungen? ... Beim Lesen dieses Buchs war schon nach wenigen Seiten der ununterdrückbare Wunsch da, ganze Sätze rauszuschreiben, sie aufzuheben wie Fotos, um sie weiterzuzeigen ..." (Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung, 4. 2. 16)

 

"So wie Saul Auerbach - ein fiktives Pendant des realen Fotografen David Goldblatt - mit seinen Bildern weit mehr dokumentiert als Menschen und Häuser, zeichnet Ivan Vladislavic in seinem Text ein kunstvolles Triptychon Südafrikas. Er handelt in einer mit Metaphern jonglierenden Sprache vom Wesen der Erinnerung, von den Spuren der Geschichte, von dem, was bleibt, während große Umbrüche ein Land, eine Stadt und ihre Bewohner erfassen." (Heinz Gorr, BR 2, 2016)

 

"Vladislavic formuliert ... politischen Kommentar ... nur indirekt, denn seine Sprache ist durchweg poetisch und metaphorisch ... und das liegt gewiss auch an der behutsamen wie kundigen Übersetzung von Thomas Brückner." (Manfred Loimeier, SR2 KulturRadio, 2016)

 

In seinem vielfach verspiegelten Roman Double Negative gelingt dem südafrikanischen Essayisten und Schriftsteller Ivan Vladislavić das Kunststück, große Themen der Zivilisationsgeschichte (die Rassentrennung in seiner Heimat) mit moralischen und ästhetischen Fragestellungen (was ist die Wahrheit der Fotografie) zu einer bedeutenden Erzählung über die Zeit während und nach der Rassentrennung zu verknüpfen. Nach den ersten freien Wahlen kehrt der Erzähler aus London zurück, um – inzwischen selbst Fotograf – die Veränderungen in Augenschein zu nehmen. Was hat sich wirklich verändert? Ivan Vladislavić kommt bei der Inszenierung seiner Geschichte ohne jeden Kitsch und jede Sentimentalität aus, was das von Thomas Brückner schön übersetzte Buch zu einem literarischen Meisterwerk macht.“ (Jurykommentar zur Shortlist-Nominierung 2016)

 

"Sprachlich eines der tollsten Bücher, die ich seit einiger Zeit gelesen habe. Nicht umsonst gibt es ein extra Vorwort zu den fantastischen Metaphern im Buch. Es geht um Südafrika und natürlich um die ganz großen Themen dort, und die werden so einfach und klar und gar nicht moralisierend beschrieben, dass es ganz leicht wird, sich mit ihnen zu beschäftigen – und eine riesengroße Freude ist, das zu lesen.“ (Jörg Petzold, fluxfm)

 

 

 

 


Johannesburg. Insel aus Zufall, München: A1 Verlag, 2008

 

Johannesburg. Insel aus Zufall, München: Süddeutsche Zeitung. Metropolen, 2010

 

 

Das Buch »Johannesburg. Insel aus Zufall« wurde auf der Cape Town Book Fair 2007 als Meisterwerk gefeiert. Ivan Vladislavić, einer der Hauptvertreter der südafrikanischen Literatur, entwirft darin ein unterhaltsames und tiefgründiges literarisches Porträt der Stadt Johannesburg und des neuen Südafrika.
Voller Empathie durchstreift Ivan Vladislavić seine Stadt und ist dabei Betrachter, Sammler und Beteiligter zugleich. Ausgangspunkt seines Erzählens sind Erinnerungsorte, Zeitungsmeldungen und Veränderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft, denen er auf seinen alltäglichen Streifzügen begegnet. Er schreibt über das eigensinnige Verhalten von Häusern, die in Alarmbereitschaft versetzt werden, über zu gigantischen Trödelmärkten umfunktionierte Lichtspielhäuser, über Metallskulpturen, die auf seltsame Weise aus den Parks der Stadt verschwinden, über Gegenstände und Orte, die ihre ursprüngliche Bestimmung verloren haben, über Flickschuster, Künstler, Diebe und Sicherheitsbedienstete.
Vladislavićs eindringlicher Blick auf seine Umwelt, seine Art, dem Wesen der sich verändernden Stadt nachzuspüren, sind ein Genuss. Mit hoher sprachlicher Präzision, Wortwitz, Ironie schreibt er über die Ängste, Vorurteile und Hoffnungen ihrer Einwohner und erstellt in 138 Kapiteln seine persönliche Landkarte von Johannesburg, die sich nachhaltig im Bewusstsein des Lesers festsetzt. In einer ungewöhnlichen Verschränkung von Autobiografie und Fiktion entsteht dabei eine einzigartige Hommage an die südafrikanische Metropole.